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NZZaS: "Friendly Fire", wieso schmerzt die eigene Kugel nicht mehr?

vor 2 Stunden
7 Min. Lesezeit

"Friendly Fire" bezeichnet normalerweise eine Situation, in der Angehörige derselben Seite versehentlich eigene Leute oder Verbündete angreifen. Im vorliegenden Fall handelt es sich jedoch nicht um ein Versehen, sondern um eine notwendige Auseinandersetzung. Wenn die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) ihre Aufgabe ernst nimmt, darf sie die fehlende sicherheitspolitische Agenda, Führungsschwächen oder die problematische Kommunikation des SOG-Präsidenten nicht aus falsch verstandener Loyalität verschweigen. Gerade weil die Schweiz vor grossen sicherheitspolitischen Herausforderungen steht, braucht es eine kritische Debatte unter Offizieren und Milizkadern. Wer aus Kameradschaft schweigt, dient weder der Armee noch der Landesverteidigung. Transparente Diskussion und Kritik sind ein Ausdruck von Verantwortung. Was nützen all die Reden, Cüpli und Apéros, Sitzungen und bilaterale Treffen, die Pflege eigener Strukturen und Befindlichkeiten, wenn am Schluss nichts dabei raus kommt? Es braucht jetzt einen Kurswechsel. Nicht nur bei der SOG. Es braucht eine andere Führung in diesem Land! Denn wo Loyalität wichtiger wird als Leistung, breitet sich Zerfall und Bedeutungslosigkeit aus. Deshalb müssen die Offiziere diese entscheidende Debatte ernsthaft führen, dabei ist interne Kommunikation heute immer auch externe Kommunikation. Was also intern gesagt wird, findet früher oder später seinen Weg nach aussen. Und so beschreibt die NZZaS in einer nie gesehen Klarheit die Bedeutung der SOG.



Wie folgt zitiert aus dem NZZaS Artikel (Ausgabe 25.10.2026)

(...)

«Eine kleine Statistik der Unsicherheit», überschrieb Pfister seinen Basler Auftritt sinnigerweise. Um diese Unsicherheit zumindest einigermassen zu beseitigen, will der Bundesrat die Armee wieder aufrichten. Über die Finanzierung streiten sich Parlament, Parteien und Verbände mit Hingabe.


Eine Organisation, die prädestiniert wäre, diese Debatte zu prägen und zu trommeln für zusätzliche Milliarden fürs Militär, erscheint gerade merkwürdig passiv: die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG). 1833 gegründet, ist die ehrwürdige SOG ein lebendiges Stück Geschichte und verkörpert wie kaum ein anderer Verband den Milizgedanken. 18 000 Offiziere sind in den Sektionen zusammengeschlossen. Doch ein eigentlicher politischer Faktor ist sie derzeit nicht. Das ist nicht das Urteil bösartiger Kritiker von aussen. So lautet das bittere Fazit verschiedener Personen, die sich für die Belange der Offiziere engagieren.


Ein vielgliedriges Ungetüm

Zu ihnen gehört etwa Adrian Bangerter, der die Offiziersgesellschaft von Zürich und Umgebung präsidiert. Der nationale Dachverband sei zu wenig präsent in der politischen Diskussion, sagt er im Gespräch. Obwohl die Expertise der Offiziere derzeit gefragt sei.

«Gegen aussen wird zu wenig unternommen. Und nach innen stelle ich fest, dass es nicht gelingt, etliche der motivierten Mitglieder abzuholen, die bereit wären, sich zu engagieren.»

Immer wieder werde er von Mitgliedern angesprochen, die fragen, was die SOG eigentlich mache.

«Ehrlich gesagt, frage ich mich das auch»,

so Bangerter.


Eine gewisse Unübersichtlichkeit ist in der Struktur der SOG angelegt. Sie ist ein vielgliedriges Ungetüm. Zu den 24 kantonalen Sektionen kommt ein gutes Dutzend Fachsektionen, in denen sich zum Beispiel die Angehörigen der Luftwaffe oder der Artillerie organisieren. An der nationalen Spitze amtet ein zehnköpfiger Vorstand um den Präsidenten Michele Moor. Am kommenden Samstag treffen sich die Sektionsspitzen mit dem Vorstand in Luzern. Oder besser: aufeinander. Einige Sektionspräsidenten wollen die Gelegenheit nutzen, um ihrer Kritik Luft zu verschaffen.

«Die SOG muss die sicherheitspolitische Diskussion prägen und die politischen Entscheide mitgestalten»,

wie Erich Muff, Präsident der Panzeroffiziere, betont.

«Dazu ist die aktuelle SOG-Spitze nicht in der Lage»,

sagt er.


Ein Kurswechsel sei angezeigt, und zwar dringend. Wer sich denn sonst für eine einsatzbereite Armee einsetzen solle. Muff fährt fort:

«Die SOG verfügt weder über eine erkennbare sicherheitspolitische Agenda noch über klar formulierte politische Kernforderungen. Der Dachverband schaut zu, statt durch Positionspapiere, mediale Stellungnahmen und Kampagnen die Debatte inhaltlich zu prägen.»

Aber genau das müsste der Anspruch der SOG sein. Muff formuliert pointiert. Andere Sektionspräsidenten teilen seine Analyse.


Yves Blöchlinger steht der Aargauer Offiziersgesellschaft vor. Im Gespräch betont er die Wichtigkeit eines geeinten Auftritts der SOG, um «der Stimme der Armee» Nachdruck zu verschaffen. Aber auch er sagt, dass dazu ein klarer Plan vonnöten sei, wie das zu erreichen sei.

«Derzeit vermisse ich diese Strategie. Als Dachverband müssen wir kampagnenfähig werden», so der Präsident der aargauischen Offiziersgesellschaft.


Strategie, Kampagne – das sind militärische Begriffe, die ihren Weg ins politische Vokabular gefunden haben. Unterschätzt ausgerechnet die SOG deren Bedeutung? Die Verbandsspitze ist da entschieden anderer Meinung. Er sei nun seit anderthalb Jahren Präsident der SOG und habe sich in dieser Funktion nichts vorzuwerfen, sagt Michele Moor am Telefon. Zwar sei ihm bewusst, dass vielleicht nicht alle Sektionen zufrieden seien. Aber: «Das ist kaum je der Fall.»


Moor gegen Süssli

Seine erste Priorität sei die Stabilisierung der Organisation und ihrer Finanzen gewesen, sagt Moor. Das sei gelungen. Eine mangelnde öffentliche Wahrnehmung und fehlendes politisches Gewicht mag er nicht ausmachen. Die SOG sei ausreichend präsent, ist er überzeugt. «Denn Präsenz misst sich für mich nicht an schnellen Statements für die Presse oder wöchentlichen Medienmitteilungen.» Den Grossteil der politischen Arbeit sehe man selten. Bei den Parlamentariern in Bern finde man Gehör, die Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsdepartement und der Armeeführung sei sehr gut.


Doch ausgerechnet jetzt liefern sich zwei bekannte Aushängeschilder der Armee eine öffentliche Schlammschlacht. Mitte September widmete Moor seine Kolumne in der «Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift» den zahlreichen Rücktritten aus dem Verteidigungsdepartement, die 2025 kurz aufeinander folgten. In seinem Text warf der SOG-Präsident die Frage auf, ob vielleicht der Abgang des damaligen Armeechefs Thomas Süssli mit dem nicht fixen Fixpreis des F-35-Kampfjets in Verbindung gestanden habe. In einer öffentlichen Stellungnahme verwahrte sich Süssli entschieden gegen diese Darstellung.


Für einmal war Moor die öffentliche Aufmerksamkeit sicher: «Ex-Armeechef unter Beschuss: Präsident der Offiziersgesellschaft greift Süssli wegen Fixpreis-Debakel an», titelte «Schweiz heute». Die Reaktionen lassen Moor kalt. Er würde seinen Text genauso noch einmal formulieren, sagt der SOG-Präsident. Er unterstelle Süssli weder eine Pflichtverletzung noch die alleinige persönliche Verantwortung für die ungenügende Kommunikation über den angeblichen Fixpreis. Aber aufgrund seiner damaligen Funktion müsse es erlaubt sein, auch Süsslis Rolle kritisch zu hinterfragen. Das sehen nicht alle Offiziere so.

«Man muss es so sagen: Die Anschuldigungen von Michele Moor gegen Thomas Süssli sind haltlos»,

sagt Erich Muff. Er habe absolut kein Verständnis dafür.


Wenn sich die SOG kommende Woche versammelt, dürfte auch diese Episode zur Sprache kommen. Es sei sogar möglich, dass die Vertrauensfrage gestellt werde und man auf die Ablösung der gegenwärtigen SOG-Spitze dränge, heisst es bei manchen Sektionen hinter vorgehaltener Hand.


Dabei verbietet die eng getaktete politische Agenda eigentlich jede Nabelschau. Bereits im November steht die Abstimmung über die Lockerung des Kriegsmaterialgesetzes an, parallel geht das Ringen um die Armeefinanzen unvermindert weiter. Ob die Milizoffiziere Bundesrat Pfister bald laut und geeint zur Seite springen? Derzeit ist das, wie so vieles, ziemlich unsicher.



Fragen & Antworten - Wie die OG Panzer das Thema einordnet


SOG-Spitze sieht keinen Handlungsbedarf

"Friendly Fire: Wieso schmerzt die eigene Kugel nicht mehr?". Dieser Satz bringt die aktuelle Situation auf den Punkt. Es sagt viel aus, wenn sich die Führung nicht mehr für die Anliegen ihrer eigenen Sektionen interessiert.

Für den SOG-Präsidenten und seine Vizepräsidenten im Leitenden Ausschuss scheint alles in Ordnung zu sein. Gegenüber der NZZ am Sonntag liefert der Präsident zahlreiche Erklärungen, aber kaum Selbstkritik. Statt Verantwortung für die ungelösten Probleme der SOG und die öffentliche Kritik zu übernehmen, werden diese relativiert oder auf andere Faktoren zurückgeführt:


  • Erfolge werden personalisiert, etwa bei der Sanierung der Finanzen, während Probleme kollektiviert oder externalisiert werden.


  • Moor: "Er sei nun seit anderthalb Jahren Präsident der SOG und habe sich in dieser Funktion nichts vorzuwerfen": Eineinhalb Jahre im Amt sind eine lange Zeit. Es genügt nicht, auf die in den ersten vier Monaten erfolgte finanzielle Sanierung zu verweisen. Die berechtigte Frage lautet: Was wurde darüber hinaus erreicht?


  • Moor: "SOG sei ausreichend präsent": Bei der ungenügenden Kommunikation der SOG verweist Moor auf unterschiedliche Erwartungen innerhalb der Organisation. Doch damit lässt sich das Problem nicht lösen.


  • Die drei SOG-Vizepräsidenten bleiben bewusst im Hintergrund. Trotz ihrer umfassenden Kenntnis der Situation verhalten sie sich auffallend zurückhaltend. Nach aussen ist weder ein sichtbares Eingreifen noch ein erkennbarer Beitrag zur Lösung der bestehenden Herausforderungen wahrnehmbar. Gleichzeitig beziehen sie weiterhin ihre Entschädigungen.


"Wegerklären lässt sich vieles. Eines bleibt jedoch bestehen: Wer führt, trägt letztlich auch die Verantwortung." Präsident der OG Panzer, Oberstlt i Gst Erich Muff

Warum nimmt die OG Panzer Stellung? Die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) hat den Anspruch, die Stimme der Schweizer Milizoffiziere zu sein. Dieses Versprechen wird heute nicht eingelöst. In einer Zeit fundamentaler Umbrüche verfügt die SOG weder über eine erkennbare sicherheitspolitische Agenda noch über klar formulierte politische Kernforderungen. Sie erklärt Entwicklungen, die andere vorgeben, anstatt selbst Richtung und Tempo der Debatte mitzubestimmen. Damit verzichtet sie freiwillig auf jenen Einfluss, den ein starker Verband im Parlament, in den Parteien und in der Öffentlichkeit ausüben müsste. Die Schweiz braucht in den kommenden Jahren eine starke und einflussreiche SOG. Die SOG muss sich also rasch reformieren und stärker werden, damit sie sich wirksam als führende Stimme für eine einsatzbereite Armee einsetzen kann.


Am 24. Oktober hat die OG Panzer zusammen mit 4 Sektionen das Memorandum «Sicherheit braucht Führung: Warum die SOG einen Kurswechsel braucht?» eingereicht. Dies mit dem Antrag auf Traktandierung und Beratung des Memorandums an der Präsidentenkonferenz vom 31. Oktober 2026 in Luzern. Es ist Zeit für einen Kurswechsel. Wer die Debatte anderen überlässt, räumt besser das Feld für Kräfte, die sich aktiv engagieren.


Das Memorandum wird aktuell nur SOG intern verteilt. Ändert sich daran etwas, berichten wir auf unserem Blog.


Warum müssen jetzt Leistung und Resultate bei der SOG eingefordert werden?

Die sicherheitspolitische Lage in Europa hat sich dramatisch verschlechtert. Die internationale Ordnung gerät unter Druck, Machtpolitik kehrt zurück. Die USA und ihre Verbündeten wollen die bestehende Ordnung erhalten, während die BRICS-Staaten mehr Einfluss und eine Neuverteilung der globalen Macht anstreben. Die Schweiz steht mitten in diesem Spannungsfeld. Krieg ist wieder Teil geopolitischer Realität und die Schweizer Armee ist nicht bereit.

In schwierigen Situationen zählt für die Geschäftsführung am Ende vor allem das Resultat. Einsatz und Aufwand allein verdienen keine Anerkennung, wenn sie nicht zu einem tragfähigen Ergebnis führen. Wir brauchen Amtsträger, die dieser Verantwortung gewachsen sind und auch unter Druck die richtigen Entscheidungen treffen und Einfluss nehmen. Führungsstärke zeigt sich nicht in guten Zeiten, sondern dann, wenn Herausforderungen gemeistert und Lösungen geschaffen werden müssen. Wer ein Amt übernimmt, übernimmt zugleich die Pflicht, Verantwortung für das Ergebnis zu tragen und sich daran messen zu lassen.


Was ist die Rolle der SOG?

In dieser offensichtlichen sicherheitspolitischen Sackgasse ist die SOG von zentraler Bedeutung: Ihr Vorstand und ihre Offiziere müssen in dieser schwierigen Situation die Leuchttürme im Sturm sein. Dabei ist die SOG als Sprachrohr der Milizoffiziere für die Meinungsbildung im Offizierskorps, im Parlament und auch bei der breiten Bevölkerung zentral. Man erwartet von der SOG, dass sie Orientierung gibt, glaubwürdig und verlässlich handelt, Kommunikationsstärke zeigt und Verantwortung übernimmt, anstatt Schuldige zu suchen. Es ist der SOG-Spitze in den letzten Jahren nicht gelungen, klare führende Positionen einzunehmen und die Weichen im Parlament sowie bei der Bevölkerung zu stellen.


Wo steht die SOG heute?

Die SOG verfügt derzeit über keine öffentlich erkennbare sicherheitspolitische Agenda und keine in Absprache mit den Sektionen priorisierten politischen Forderungen. Sie wirkt reaktiv als «Kommentatorin» der Ereignisse, anstatt in dieser schwierigen Zeit Halt und Orientierung zu geben. Ihre Glaubwürdigkeit leidet. Die Neuausrichtung der SOG ist überfällig. Die Lage ist ernst und ein Zuwarten kann nicht mehr verantwortet werden. Als Milizoffiziere müssen wir uns endlich mit einer eigenen Stimme erheben und uns mit mehrheitsfähigen Lösungen und klaren Forderungen Gehör verschaffen und diesen auch zum Durchbruch verhelfen!



Bitte sendet uns eure Einschätzung zur Situation und eure Ideen, wie wir Sicherheit wieder als erste Priorität in der Politik verankern können an info@ogpanzer.ch.


Euer Vorstand

OG Panzer



 
 
 

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